Johanniter Weihnachtstrucker 2018 Deutschland – Zentralrumänien

Die Aktion Johanniter-Weihnachtstrucker – Hilfe für Menschen in Südosteuropa

Seit vielen Jahren packen Tausende Kindergartenkinder, Schülerinnen und Schüler, Mitarbeitende von Unternehmen und viele andere Menschen in der Vorweihnachtszeit Hilfspakete für notleidende Menschen in Südosteuropa. Jahr für Jahr setzen sie damit ein Zeichen der Nächstenliebe und der Hoffnung. Machen auch Sie mit. Beteiligen Sie sich am Johanniter-Weihnachtstrucker, der grossen Hilfsaktion der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

Direkt zum Video auf youtube: Weihnachtstrucker 2018 Zentralrumänien

Die Pakete werden an wirtschaftlich schwache Familien, Schul- und Kindergartenkinder, Menschen mit Behinderung, in Armenküchen, Alten- und Kinderheimen durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer überreicht. Für viele Menschen sind die Pakete ein kostbares Zeichen der Hoffnung – ein Zeichen, dass sie nicht vergessen sind in ihrer Not.

Jedes der Weihnachtstrucker-Päckchen enthält Lebensmittel und Hygieneartikel von einer sorgfältig zusammengestellten Packliste. Sie können in vielen Sammelstellen der Johanniter in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt, Niedersachsen/Bremen sowie in Thüringen abgegeben werden. Nach Absprache auch bei den Speditionen, die sich daran beteiligen.

Auch im Winter 2018 waren die Johanniter-Weihnachtstrucker wieder in vielen Dörfern in Albanien, Bosnien, Rumänien und in die Ukraine unterwegs, um bedürftige Menschen mit einem Hilfspaket zu unterstützen. Insgesamt konnten wir dabei über 57.552 Päckchen verteilen. Herzlichen Dank an alle Spender, Helfer und Unterstützer! Quelle: www.johanniter-weihnachtstrucker.de

Mein erste Weihnachtstrucker Tour

Völlig aufgeregt bin ich bereits am späten Nachmittag des 1. Weihnachtsfeiertag nach Neufahrn in Niederbayern zu meinem Freund Christian Sturm gefahren. Mit dessen Scania, sein Angestellter Florian Gampenrieder und ich die Weihnachtspakete nach Zentralrumänien fuhren. Um 6 Uhr klingelte mein Wecker. Nach einem Kaffee fuhr ich zum wenigen Kilometer entfernten LKW. Dort traf ich zum ersten Mal meinen Partner für die nächsten Tage. Schon auf dem ersten gemeinsamen Weg nach Landshut zur Verabschiedung der Weihnachtstrucker hatten wir viel zu reden und ich merkte, dass wir auf einer Wellenlänge sind. Puh! Erste Hürde geschafft. 😊

Tag 1

In der Altstadt von Landshut haben wir uns nach den verschiedenen Konvois sortiert aufgestellt. Es gab noch eine kurze Besprechung mit den Konvoileitern der Johanniter. Hunderte Landshuter, Freunde und Familien kamen, um uns eine gute Reise zu wünschen. Auch der Sänger Peter Maffay war mit dabei und sagte: „Ich freu mich, dass diese Pakete auf den Weg dorthin sind, wo sie dringend gebraucht werden. Die Kinder werden sich maßlos darüber freuen. Es ist wichtig für die Menschen zu spüren, dass sie wahrgenommen werden.“ Dann starteten alle 45 Trucks in einem großen Konvoi. Alle Kreuzungen wurden vom THW für uns gesperrte, so dass wir in einem Zug von der Stadt raus in Richtung Deggendorf fahren konnten. Dort teilten sich die LKW`s in die 5 Konvois für die Zielorte Albanien, Bosnien, Nordrumänien, Zentralrumänien und in die Ukraine auf. Bereits im österreichischen Ansfelden musste unser kompletter Konvoi zu einer kurzen Polizeikontrolle ausfahren. Rund 800 Kilometer brachte unser Konvoi nach Zentral-Rumänien am ersten Tag seiner Reise nach Südosteuropa hinter sich. Gegen 23 Uhr schlugen wir mit unseren zwölf Lkw`s und den drei Begleitfahrzeuge von den Johannitern bei Balástya (Ungarn) unser Nachtlager auf, ehe es am nächsten Tag in Richtung rumänische Grenze ging.

Tag 2

Nach einer verhältnismäßig kurzen Nacht und einem anstrengenden und langen Tag auf der Straße, rollte der Zentralrumänienkonvoi bei wunderbarem Reisewetter weiter nach Südosteuropa. Gegen 9.45 Uhr konnte die rumänische Grenze problemfrei passiert werden und wir hielten für eine kurze Pause und ein Gruppenfoto. Das Tagesziel für den späten Abend war das Jugenddorf Lokod, das im Rahmen des vor Ort gegründeten Projekts LIA e.V. betrieben wird. Nach hunderten Kilometern Autobahn haben wir erstmalig „rumänische Outback“ zu spüren bekommen: Enge Passstraßen, „offensive“ Autofahrer, Tiere und Fußgänger entlang der schmalen Straßen – höchste Konzentration für uns Fahrer und die Begleiter. Die Landschaft und die Häuser haben sich hier schon sehr stark verändert. Ich bekam auf diesem Stück unserer Tour schon erste Eindrücke vom armen Osten. Bald schon fuhren wir wieder bei Dunkelheit. Die letzten Kilometer hatten wir Polizeieskorte. Endlich war es nach rund 1.400 Kilometer geschafft. Wir stellten unsere Trucks auf dem Gelände einer Baustoffhandels in Oderhellen ab und fuhren mit Kleintransportern zu unserer Unterkunft. Dort gab es ein reichhaltiges Abendessen bei unseren Gastgebern.

Tag 3  

Am Freitagmorgen haben sich die LKW´s in verschiedene Richtungen aufgeteilt um die Pakete zu den verschiedenen Abladestellen zu bringen. Flo und ich hatten einen weiteren LKW von den Weihnachtstruckern aus Cham im Schlepptau und fuhren in das 120 Kilometer entfernte Sfantu Gheorghe. Dabei überquerten wir ein Gebirge mit tiefer Winterlandschaft. Die Bäume hingen zum Teil tief in die Straße hinein. Immer wieder musste man mittig in der Straße fahren und den Bäumen ausweichen. Viele Helfer vom Roten Kreuz und von der Feuerwehr erwarteten uns schon. Wir öffneten unseren Container und fuhren an eine kleine Rampe einer alten Lagerhalle. Mit einer Menschenkette wurden 1108 Pakete innerhalb einer Stunde in die Halle befördert. Man konnte die Freude über unsere Hilfsgüter richtig spüren. Es wurden Späße gemacht und gesungen. Zum Abschluss noch ein Gruppenfoto mit den fleißigen Helfern vor Ort. Nach dem Abladen trafen wir uns wieder mit unseren Kollegen aus Cham, die ein paar Straßen weiter entladen haben. Gemeinsam mit Führungskräften vom Roten Kreuz und den beiden Bürgermeistern wurden wir zum Essen eingeladen. Bevor wir die Rückfahrt zu unserem Quartier wieder antraten, besuchten wir noch einige Familien in deren Häusern. Dabei sahen wir einen Vater, der mit seinen 10 Kindern allein lebt, da die Mutter abgehauen ist. Die älteste Tochter übernimmt seitdem die Mutterrolle im Haus. Zu einer alleinlebenden Frau fuhren wir durch ein wohlhabendes Gebiet mit namhaften Einkaufszentren. Zweimal abgebogen standen wir vor einer Baracke. Strom und fließendes Wasser gab es dort nicht. Als die Frau uns hörte, kam sie heraus und freute sich über unser Paket. Bei einer weiteren Familie angekommen, mussten wir durch ein dunkles Treppenhaus in den ersten Stock. Dort lebte eine Vierköpfige Familie auf engstem Raum. Besonders gefreut hat sich das kleine Mädchen. Mit strahlenden Augen schnupperte sie mit Ihrer Nase am Shampoo und nahm ein Malbuch aus dem Karton. Beim verlassen des Hauses schenkte sie uns ihr Lächeln und winkte uns durch das Fenster zu. Bei allen wurde wir immer sehr herzlich empfang und mit Gottes Segen und einem guten Rutsch ins Neue Jahr verabschiedet. Nach unseren Besuchen fuhren wir wieder zu den anderen Weihnachtstruckern und unterhielten uns bis tief in die Nacht über den vergangenen Tag.

Gruppenfoto mit Rot Kreuz und Feuerwehr in Sfantu Gheorghe.

Tag 4

Gemeinsam mit den Johannitern und allen Truckern ging es mit Kleinbussen in ein nahegelegenes  Zigeunerdorf. Wir mussten über eine provisorische Brücke gehen und dann weiter durch knöcheltiefen Matsch den Berg hinauf. Dort wartete die ganze Dorfgemeinschaft auf uns. Es war für mich ein komisches Gefühl, wie wir das Revier von so armen Menschen für einen kurzen Besuch betraten. Die Häuser von außen in einem erbärmlichen Zustand. Die Toilette befand sich im Freien ohne Sichtschutz. Die Verteilung der Pakete in den Familien wurden von Frauen organisiert, damit alle fair versorgt werden konnten. Die Pakete wurden sehnsüchtig erwartet. Ein kleiner Junge scherzte mit einem der Johanniter und winkte mir lachend in die Kamera. Kur bevor wir das dorf wieder verließen, winkte mich und zwei von den Johannitern in ihr Haus. Es war nur ein kleiner Raum, in dem es durch ein Feuer schön warm war. Sie lebt dort mit ihrem Mann und ihren Sohn. Ein großes Bett für alle zum schlafen und sitzen. Trotz den für uns widrigen Umständen spürte ich den Stolz der Frau und wurde wieder sehr liebevoll verabschiedet. Auf der Rückfahrt war es dann etwas still bei uns im Bus. Das sind Eindrücke die etwas Zeit brauchen …

Zu Mittag haben wir noch gemeinsam in einem Kloster gegessen und dann mussten wir uns auch schon von Herbert und Elke und den anderen Helfern vor Ort verabschieden. Viele der Weihnachtstrucker werde sich und die Menschen in Rumänien in einem Jahr wieder sehen, wenn sie sich zwischen Weihnachten und Neujahr auf den Weg nach Rumänien machen.

Verabschiedung für ein Jahr

Herbert und Elke

Die zentrale Anlaufstelle für die Johanniter Weihnachtstrucker des Konvoi Rumänien-Zentral ist seit Jahren das Jugenddorf Lokod, das Herbert und Elke Flöck mit ihrem Team im Rahmen des von ihnen gegründeten örtlichen Projekts LIA e.V. betreiben. Hier finden Waisenkinder und Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen ein neues Zuhause. In den letzten Jahren entstanden hier zudem beschützende Werkstätten, ein Beratungszentrum, Jugendwohnungen und Familienhäuser sowie ein betreutes Wohnen.

Außerdem finden die Begleiter des Konvois hier eine Möglichkeit zu nächtigen – und die 33 Fahrer und Ehrenamtlichen werden hier vorzüglich kulinarisch umsorgt!

Geburtstagfeier 

In der Nähe von Szeged (Ungarn) haben wir wieder unser Nachtlager aufgeschlagen – und da gab es ordentlich Grund zum Feiern: Christopher „Godzilla“ Schegerer feierte in seinen 34. Geburtstag hinein! Als Party-Location diente der mittlerweile leere Auflieger, der zuvor mit rund 1.400 Weihnachtstrucker-Paketen beladen war.

Tag 5

Nach einem Abschlussessen und der Verabschiedung am Rasthof Oed bei Amstetten (Österreich) teilte sich am späten Nachmittag der Konvoi auf – so schafften wir püntklich zu Silvester wieder zurück zu unseren Familien und Freunden in Deutschland. Mit leeren Lkw aber einer Menge unglaublich beeindruckender und emotionaler Erfahrungen im Gepäck endete der Johanniter Weihnachtstrucker 2018 für uns. Doch nur für den Moment: Pläne fürs kommende Jahr werden schon wieder geschmiedet – denn wie heißt es so schön: „Einmal Johanniter-Weihnachtstrucker, immer Johanniter-Weihnachtstrucker!“

Unser Konvoileiter Manfred

Konvoileiter Manfred Emmerling unterstützt den Johanniter Weihnachtstrucker bereits seit 2006.

Die Route in die Region Harghita kennt er wie seine Westentasche und sorgt dafür, dass der Zentralrumänien-Kovoi ohne große Unterbrechungen an sein Ziel kommt.

Doch auch vor Ort kennt sich der 44-jährige aus:

„Viele Eltern machen sich als Saisonarbeiter auf den Weg, um mehr Geld für ihre Familien zu haben“, erzählt Emmerling. „Die Saison-Waisen müssen sich während des Auslandsaufenthaltes ihrer Eltern oft selbst versorgen.“ Großeltern, die die Kinder vor Ort unterstützen, seien nicht immer in der Nähe. So profitieren die Kinder von der Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft der deutschen Spender.

Flo und ich sind auf dieser Tour gute Freunde geworden.

Text: Hans Lamminger und Quelle Johanniter